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Dr. med. Wolfgang Kraus - Facharzt für Allgemeinmedizin

Dr. med. Wolfgang Kraus

Facharzt für Allgemeinmedizin

Jodmangel

Warum brauchen wir Jod?

Der menschliche Körper benötigt Jod, um Schilddrüsenhormone aufbauen zu können. Da er dieses Spurenelement nicht selbst herstellen kann, ist er auf die ständige Zufuhr von Jod in der Nahrung angewiesen. Allerdings enthalten sowohl pflanzliche als auch tierische Nahrungsmittel nur das Jod, das Pflanzen aus dem Boden aufgenommen haben. Deutschland ist jedoch seit dem Ende der letzten Eiszeit ein Jodmangelgebiet: Damals wusch das Schmelzwasser der abtauenden Gletscher das Jod aus der Erde und spülte es ins Meer. Weder Böden noch Trinkwasser enthalten heute in Deutschland nennenswerte Jodmengen.

Die normale Ernährung kann den Jodbedarf des Körpers deshalb kaum decken, Jodmangel ist sehr häufig. Viele Menschen leiden deshalb unter einer vergrößerten Schilddrüse. Ein Viertel der Betroffenen besitzt einen sichtbaren Kropf.

Jod ist lebenswichtig

Die Schilddrüse benötigt Jod für die Bildung von Hormonen. Die beiden wichtigsten sind Trijodthyronin (T3) und Thyroxin (T4). Diese Hormone beeinflussen viele Stoffwechselvorgänge. So wirken sie bei der Steuerung von Kreislauf, Körpertemperatur und Fruchtbarkeit mit. Auch das Gefühlsleben wird zum Teil durch die Schilddrüsenhormone gesteuert. Bei Kindern hängen außerdem Wachstum und die Entwicklung der intellektuellen Leistungsfähigkeit vom T3- und T4-Spiegel ab.

Der Kropf (Struma) ist eine Notwehrmaßnahme, mit der Körper auf Jodmangel reagiert: Kann er nicht genügend Jod aufnehmen, werden auch zu wenig Schilddrüsenhormone produziert. Die Schilddrüse steigert deshalb ihre Aktivität und beginnt infolgedessen zu wachsen. Schließlich bildet sich der sichtbare Kropf.

Wieviel Jod sollte es sein?

Die »Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) empfiehlt Kindern und älteren Menschen, täglich 180 µg (Mikrogramm) Jod aufzunehmen. Bei Jugendlichen und Erwachsenen mittleren Alters liegt die Tagesdosis bei 200 µg. Schwangere und Stillende sollten 230 bis 260 µg pro Tag zu sich nehmen. Vor allem durch jodiertes Speisesalz ist die Jodversorgung in Deutschland inzwischen deutlich besser als früher ist. Dennoch geht die DGE davon aus, dass viele Bundesbürger regelmäßig immer noch nur die Hälfte oder bestenfalls zwei Drittel der empfohlenen Tagesmengen zu sich nehmen.

Altersgruppe Empfohlene Tagesration
in µg
Tägliche Aufnahme
in µg
Joddefizit
in µg
Gestillte Säuglinge 50-80 40-50 10-40
Kinder, ältere Menschen (ab 50) 140-180 70-100 70-110
Jugendliche, Erwachsene 180-200 100-120 80-100
Schwangere, Stillende 230-260 110-125 120-150
Quelle: Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V.

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Jodmangel: Ein selten erkanntes Leiden

Jodmangel führt zu einer Unterfunktion der Schilddrüse (Hypothyreose). Seine Symptome entwickeln sich schleichend, so dass Betroffene anfangs keine Beschwerden haben. Machen sich die Symptome schließlich bemerkbar, schreiben die Betroffenen sie häufig anderen Ursachen zu wie Alter und hormonelle Umstellungen oder Vitamin- und Eisenmangel.

Typische Anzeichen für eine Schilddrüsen-Unterfunktion sind:

Auftreten und Ausprägung der Symptome hängen auch vom Alter der Betroffenen ab. Ältere Patienten leiden vor allem unter Kälteempfindlichkeit, Kraftlosigkeit und Verstopfung.

Wird Jodmangel nicht rechtzeitig erkannt und behandelt, kann es zur Kropfbildung kommen. Ein Arzt wird zunächst versuchen, durch Jodgaben eine Rückbildung des Kropfes zu erreichen. Unter Umständen muss der Kropf jedoch operativ behandelt werden. Schilddrüsen-Operationen zählen zu den häufigsten chirurgischen Eingriffen in Deutschland.

Zur Vorbeugung einer Fehlfunktion der Schilddrüse muss der Jodmangel rechtzeitig entdeckt werden. Nur eine Kombination mehrerer Untersuchungsmethoden erlaubt eine sichere Diagnose und eine korrekte Einstellung der Prophylaxe. Dazu sind eine Bestimmung der Blutwerte, weitere Laboruntersuchungen sowie eine Ultraschall-Untersuchung der Schildrüse nötig.

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Tipps zur richtigen Ernährung

Als ideale Jodlieferanten sollten den Empfehlungen der DGE zufolge Seefisch und Meerestiere am besten zwei Mal in der Woche auf den Tisch kommen. Kabeljau und Schellfisch sind in Sachen Jodgehalt dabei die Spitzenreiter. Süßwasserfische enthalten dagegen kaum Jod.

Fleisch und Milchprodukte sind weitere gute Lieferanten für das tägliche Jod. Allerdings gibt es bei letzteren Einschränkungen: Zum einen hängt die Jodmenge von der Fütterung der Kühe ab, zum anderen enthalten bestimmte Käsesorten durch das eingesetzte Fermentierungsverfahren wenig oder kaum Jod.

Lebensmittel Jodgehalt in µg pro 100g
Fischstäbchen 160
Fisch, gegart 156
Fischfrikadelle 111
Fischfilet, gebraten 105
Matjesfilet 63
Hartkäse 52
Thunfisch in Öl, Konserve 40
Räucherlachs 37
Quelle: Deutsche Gesellschaft für Ernährung

Jod löst sich leicht im Kochwasser. Fisch sollten Sie deshalb lieber braten oder backen als Kochen. Das in Milchprodukten enthaltene Jod kann der menschliche Organismus nur zum Teil verwerten, da er die Molke, die den Löwenanteil des Jods enthält, nicht aufschließen kann.

Jodiertes Speisesalz ist eine gute Möglichkeit, seinen Jodbedarf zu decken: Fünf Gramm enthalten etwa 100 µg Jod. Geht man von einem durchschnittlichen Verbrauch von zwei bis drei Gramm Salz pro Kopf und Tag bei selbstgekochten Gerichten aus, deckt dies bereits bis zu einem Drittel des Tagesbedarfs.

Schwangere, Stillende und Kinder im Wachstum brauchen besonders viel Jod. Auch Vegetarier und speziell Veganer sollten auf ausreichende Jodzufuhr achten. Unter Umständen müssen sie auf Jodtabletten zurückgreifen.

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Weitere Informationen zu Jodmangel und Schilddrüse

»Deutsche Gesellschaft für Ernährung

»Arbeitskreis Jodmangel - Informationen über Jodmangel und Vorbeugungsmöglichkeiten

»Onmeda medicine worldwide: Aufbau und Funktion der Schilddrüse

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© Dr. med. W. Kraus 2004-2009 - Letzte Änderung: 30.06.2009 - XHTML + CSS validiert

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