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Dr. med. Wolfgang Kraus - Facharzt für Allgemeinmedizin

Dr. med. Wolfgang Kraus

Facharzt für Allgemeinmedizin

Übergewicht, BMI und THQ

Kurzüberblick

Risikofaktor Übergewicht

Die Deutschen werden immer dicker: Wie in den meisten Industrienationen steigt auch hierzulande der Anteil der Übergewichtigen an der Bevökerung. Die angefutterten Pfunde erscheinen dabei nicht unbedingt als Jahresringe mit zunehmendem Alter. Bereits viele Kinder und Jugendliche schleppen mehr Gewicht mit sich herum, als gesund ist. Besonders wenn die Grenze vom „einfachen“ Übergewicht zur Adipositas (Fettleibigkeit, Fettsucht) überschritten wird, bedeutet Übergewicht ein ernsthaftes Gesundheitsrisiko.

Definition: Übergewicht und Adipositas

Übergewicht ist ein erhöhtes Körpergewicht, wobei der Anteil des Körperfetts über das Normalmaß hinausgeht.

Als Anzeiger für Übergewicht gilt der Body Mass Index: Ab einem BMI von 25 gilt man als übergewichtig, bei einem BMI über 30 spricht man von Adipositas.

Das Gewicht allein ist nicht der entscheidende Risikofaktor, es kommt auch darauf an, wie das Körperfett verteilt ist. Deshalb tritt neuerdings der Taille-Hüfte-Quotient (THQ) neben den Body Mass Index als Indikator für eine Gefährdung. Ob Sie zur Risikogruppe gehören, können Sie mit unseren interaktiven Formularen zur BMI-Bestimmung und THQ-Bestimmung herausfinden.

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Übergewicht in Deutschland

Der »Bundes-Gesundheitssurvey 1998 zeigte, dass in Deutschland weniger als die Hälfte der Frauen und nur ein Drittel der Männer zwischen 18 und 79 Jahren normalgewichtig sind. Ein Drittel der Frauen und rund die Hälfte der Männer sind dagegen übergewichtig. 19% der Männer und 22% der Frauen leiden an Adipositas. Mit zunehmendem Lebensalter steigt sowohl der Anteil der Übergewichtigen wie der Adipösen.

Der Gesundheitssurvey zeigte einen deutlichen Zusammenhang zwischen Übergewicht und sozialer Stellung: Durch Bildungsgrad oder Einkommen sozial benachteiligte Bevölkerungsgruppen weisen einen höheren Anteil Übergewichtiger auf. Dabei sind Frauen stärker betroffen als Männer.

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Krankheiten als Folge von Übergewicht

Übergewicht begünstigt zahlreiche chronische Krankheiten. Betroffene leiden häufiger an Herz-Kreislauf-Erkrankungen und besitzen ein höheres Herzinfarktrisiko. Die Gefahr entsprechender Erkrankungen steigt zusätzlich bei Bewegungsmangel, Bluthochdruck und bei Rauchern.

Übergewicht bei Kindern stellt nicht nur für sich ein Gesundheitsrisiko dar: Aus dicken Kindern werden meist auch dicke Erwachsene.

Schon geringes Übergewicht ist ein Auslöser für Diabetes mellitus Typ 2. Weitere typische Folgekrankheiten sind Störungen des Fettstoffwechsels, Gallensteine und Gicht. Zudem steigt das Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden oder an Krebs zu erkranken.

Deutliches Übergewicht macht sich auch in stärkerer Belastung der Gelenke bemerkbar. So treten häufig Rückenschmerzen und Gelenkverschleiß (Arthrose) auf. Menschen, die schon als Kind oder Jugendlicher zu schwer waren, sind hiervon besonders betroffen. Adipositas kann außerdem Schlafapnoe verursachen. Diese kurzzeitigen Atemstillstände während des Schlafes passieren, weil das Körperfett die Ausdehnung der Lungen einschränkt. Von Schlafapnoe Betroffene können sich nachts nicht erholen und sind tagsüber ständig müde und schlapp. Nicht zuletzt deshalb erleiden Adipositas-Patienten häufiger Unfälle. Auch bei Operationen treten bei Übergewichtigen öfter Komplikationen auf als bei Normalgewichtigen.

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Body Mass Index (BMI)

Was ist der BMI und was sagt er aus?

Der Body Mass Index ist eine bekannte Maßzahl, mit der sich auf die Schnelle bestimmen lässt, ob ein Mensch normalgewichtig, übergewichtig oder untergewichtig ist. Der BMI stellt nur einen groben Richtwert dar und ist für einige Personengruppen nicht einsetzbar.

Definition und Berechnung des BMI

Der Body Mass Index zeigt das Verhältnis des Gewichts zur Körpergröße. Die Formel zur Berechnung des BMI lautet:

Körpergewicht (in kg)
Körpergröße (in m)2

Die sich ergebende Einheit kg/m2 wird im Regelfall weggelassen.

Beispiel: Bei einem Gewicht von 75 kg und einer Größe von 1,75 m ergibt sich als BMI: 75 : 1,752 = 24,5

Die Weltgesundheitsorganisation WHO legt die BMI-Kategorien in Abhängigkeit von der Sterblichkeitsrate fest. Als „Normalgewicht“ gilt der Bereich mit dem geringsten relativen Sterblichkeitsrisiko. Für 20jährige Erwachsene definiert die WHO folgende Werte:

KategorieBMI
kritisches Untergewicht<16
Untergewicht16-20
Normalgewicht20-25
Übergewicht25-30
Adipositas Grad I30-35
Adipositas Grad II35-40
Adipositas Grad III>40
Quelle: »WHO

Bei der Interpretation des Body Mass Index muss man jedoch auch das Alter einer Person berücksichtigen. Einen Anhaltspunkt gibt die folgende Tabelle:

Altersabhängiges Normalgewicht
AlterBMI-Idealwert
19-2419-24
25-3420-25
35-4421-26
45-5422-27
55-6423-28
>6424-29
Quelle: National Research Council,
Diet and health: implications for reducing
chronic disease risk, Washington DC,
National Academy Press
1989.

Berechnen Sie Ihren Body Mass Index

Mit unserem interaktiven Formular können Sie Ihren persönlichen Body Mass Index bestimmen und erfahren, was das für Sie bedeutet.

Berechnen Sie Ihren BMI!

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Einschränkungen und Probleme des Body Mass Index

Der BMI entstand als Werkzeug amerikanischer Lebensversicherungen. Diese wollten damit die Berechnung der Versicherungsprämien erleichtern. Aufgrund des Gesundheitsrisikos durch Übergewicht fielen die Prämien je nach Körpergewicht höher oder niedriger aus. Die Einstufung per Dekret in Unter-, Normal-, und Übergewicht war dabei von Anfang an umstritten. Über die Jahre hinweg wurde zudem aus wirtschaftlichen Erwägungen der Wert für Normalgewicht immer wieder gesenkt. Mittlerweile weiß man, dass leichtes Übergewicht sogar das Sterberisiko senkt. Eine erhöhte Sterblickeit ist nach dem Befund der amerikanischen »NHANES-Studien nur bei BMI-Werten unter 18,5 und über 30 nachweisbar.

Die Berechnungsformel des BMI führt bei sehr kleinen und sehr großen Menschen zu verzerrten Werten. Kleinere Menschen rutschen schneller ins Untergewicht, größere ins Übergewicht. Außerdem berücksichtigt der Body Mass Index nicht das Verhältnis von Fett- und Muskelmasse im Körper. Da Muskeln schwerer als Fettgewebe sind, liefert der BMI bei trainierten Sportlern oder Bodybuildern fehlerhafte Werte.

Da Männer im Durchschnitt einen höheren Anteil an Muskelmasse besitzen als Frauen, setzt die »Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) unterschiedliche Grenzwerte für das Normalgewicht fest: Männer gelten mit einem BMI zwischen 20 und 25 als normalgewichtig, Frauen mit einem BMI zwischen 19 und 24.

Für Kinder und Jugendliche muss eine geänderte Berechnungsformel eingesetzt werden.

Die Standardformel des Body Mass Index ist nicht anwendbar auf:

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Der Taille-Hüfte-Quotient (THQ)

Eine Alternative zum Body Mass Index

Für das Risiko einer Herz-Kreislauf-Erkrankung als Folge von Übergewicht ist nicht allein entscheidend, wie groß das Übergewicht ist, sondern wie das Fettgewebe im Körper verteilt ist. Deshalb tritt der Body Mass Index als Indikator seit neuestem zugunsten des Taille-Hüfte-Quotienten (THQ) zurück.

Was ist der Taille-Hüfte-Quotient, und was sagt er aus?

Übergewicht erhöht das Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden. Dabei kommt es allerdings nicht nur auf das absolute Gewicht an, sondern auch darauf, wo am Körper die Fettpölsterchen sitzen. Dies zeigte die weltweite »Interheart-Studie. Hier nahmen Wissenschaftler 29.000 Personen aus 52 Ländern unter die Lupe, von denen etwa die Hälfte einen Herzinfarkt hinter sich hatte. Während der BMI sich bei Kranken und Gesunden kaum unterschied, hatten die Infarktpatienten einen deutlich höheren THQ.

Es wird also um so gefährlicher, je näher sich das Fett am Herzen befindet. Im oberen Bereich des Körpers legt sich das Fett um die inneren Organe. Dieses innere oder „braune“ Fett ist anders aufgebaut als das Fett, das sich auf den Hüften, dem Gesäß oder den Oberschenkeln anlagert. Besonders die Fettzellen an Bauch und Hüften produzieren Botenstoffe, die den Blutdruck und damit das Herzinfarktrisiko erhöhen. Außerdem beeinflussen Sie den Stoffwechsel und können dadurch Diabetes auslösen.

Der Taille-Hüfte-Quotient berücksichtigt diesen Unterschied und ist deshalb aussagekräftiger als der BMI. Ein weiterer Vorteil: Der THQ ist anders als der Body Mass Index unabhängig vom Alter und Geschlecht.

Definition und Berechnung des THQ

Der Taille-Hüfte-Quotient zeigt das Verhältnis von Taillenumfang zu Hüftumfang. Die Formel zur Berechnung des THQ lautet:

Taillenumfang (in cm)
Hüftumfang (in cm)

Der Taillenumfang wird dabei auf Höhe des Bauchnabels gemessen, der Hüftumfang an der breitesten Stelle der Hüfte.

Beispiel: Bei einem Taillenumfang von 112 cm und einem Hüftumfang von 98 cm ergibt sich als THQ: 112 : 98 = 1,14

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Äpfel und Birnen, oder: Die Form entscheidet

Die Verteilung des Körperfetts bestimmt das Risiko einer Herz-Kreislauf-Erkrankung. Die Trennlinie zwischen gefährlichem und ungefährlichem Körperbau verläuft dabei zwischen Apfelform und Birnenform.

Sammelt sich das Fett rund um Bauch und Taille an, spricht man von der Apfelform. Diese vor allem für Männer typische Form des Übergewichts erhöht die Infarktgefahr deutlich. Bei Frauen legt sich Fett häufiger auf Hüften, Gesäß und Oberschenkel. Diese Birnenform bedeutet ein erheblich niedrigeres Risiko.

Nicht immer ist die jeweilige Körperform so ausgeprägt, dass sie auf den ersten Blick erkenbar ist. Hier hilft der Taille-Hüfte-Quotient bei der Bestimmung des Krankheitsrisikos: Je größer der THQ ausfällt, desto näher liegt die Körperfettverteilung an der Apfelform. Der Interheart-Studie zufolge ist Übergewicht für rund ein Drittel aller Herzinfarkte verantwortlich, sobald der THQ bei Männern einen Wert von 0,9 und bei Frauen einen Wert von 0,83 überschreitet.

Berechnen Sie Ihren Taille-Hüfte-Quotienten

Mit unserem interaktiven Formular können Sie Ihren persönlichen Taille-Hüfte-Quotienten berechnen. Für ein möglichst genaues Ergebnis sollten Sie ihre Bauchumfang und Hüftumfang so messen:

  • Benutzen Sie ein flexibles Maßband
  • Nehmen Sie im Stehen und am besten direkt auf der Haut Maß
  • Messen Sie ihren Taillenumfang in leicht ausgeatmetem Zustand zwischen dem unteren Rippenbogen und dem Beckenkamm
  • Messen Sie ihren Hüftumfang auf der Höhe, auf der Ihr Gesäß am dicksten ist

Berechnen Sie Ihren THQ!

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»WHO: Adipositas in Europa
Aktionsprogramm der Weltgesundheitsorganisation mit Hintergrundinformationen, Hilfsprogrammen und aktuellen Nachrichten.

»Adipositas-Verband-Deutschland e.V.
Ein Zusammenschluss von Betroffenen und Ärzten, die behandelnde Ärzte vernetzen wollen, Patienten beraten, Selbsthilfegruppen betreuen und Erwachsene und Jugendliche über die Risiken von Übergewicht und Adipositas aufklären.

»Deutsche Adipositas-Gesellschaft
Die 1985 gegründete Gesellschaft bemüht sich darum, auf die Bedeutung des Krankheitsbildes Adipositas hinzuweisen. Die in ihr zusammengeschlossenen Experten haben außerdem Behandlungsleitlinien entwickelt.

»Leitlinien der Deutschen Adipositas-Gesellschaft
Leitlinen zur Behandlung und Prävention der Adipositas für Erwachsene und im Kindes- und Jugendalter, zur Therapie in Rehakliniken und zur chirurgischen Behandlung extremer Adipositas.

»Adipositas-Online
Aktuelle Nachrichten rund um die Themen Übergewicht und Adipositas. Das Angebot richtet sich in erster Linie an Diätassistenten, Ernährungswissenschaftler und Diplompsychologen, ist aber auch für Patienten interessant.

»Overeaters Anonymous
Nach dem Vorbild der Anonymen Alkoholiker organisierte Selbsthilfegruppe, in der sich Betroffene gegenseitig dabei unterstützen, sich vom zwanghaften Überessen zu lösen.

»Robert-Koch-Institut: Themenheft „Übergewicht und Adipositas“ - Gesundheitsberichterstattung des Bundes Nr. 16 (PDF)

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© Dr. med. W. Kraus 2004-2009 - Letzte Änderung: 30.09.2009 - XHTML + CSS validiert

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