Zecken, FSME und Borreliose
Gefährliche Blutsauger — nicht nur im Wald

Die Hirschzecke kommt bei uns häufig vor und kann wie auch andere Zeckenarten Krankheitserreger durch ihren Biss übertragen. — Foto: USDA ARS
Sobald es im Frühjahr wärmer wird, werden in Wald und Flur auch wieder die Zecken aktiv. Von März bis Oktober besteht deshalb die Gefahr von Zeckenstichen — und schweren Erkrankungen als Folge davon. In ganz Deutschland können Zecken die Lyme-Borreliose übertragen. In immer größeren Teilen Teilen des Landes besteht zudem das Risiko einer FSME-Infektion.
Wiegen Sie sich nicht in trügerische Sicherheit: Gerade bei der Frühsommer-Meningoenzephalitis sind bei weitem nicht nur Jäger und Waldarbeiter gefährdet. Rund 90% der FSME-Infektionen erfolgen bei Freizeitaktivitäten wie Wandern und Campen und selbst bei der Gartenarbeit.
Kurzüberblick
- Welche Zecken sind gefährlich?
- Wo lauern Zecken?
- Welche Krankheiten können Zecken übertragen?
- Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)
- Borreliose
- Schutz vor Zecken
- Zecken entfernen — gewusst wie
- Weiterführende Informationen
Welche Zecken sind gefährlich?
Die in Deutschland vorkommenden Zecken gehören größtenteils zu den Schildzecken. Schildzecken tragen ihren Namen aufgrund ihres harten Rückenschildes. Daneben gibt es die Lederzecken, die eine weiche Haut und keinen Rückenschild haben.
Die meisten Menschen werden in Deutschland vom Gemeinen Holzbock (Ixodes ricinus) gebissen. Der lateinische Name dieser Schildzecke weist auf die Körperform hin: Der Gemeine Holzbock ähnelt einem Rizinussamen. Auch der Schwarzbeinige Holzbock (Hirschzecke, Ixodes scapularis) wählt Menschen als unfreiwillige Blutspender aus. Weitere heimische Schildzecken sind die Schafzecke (Dermacentor marginatus), die braune Hundezecke (Rhipicephalus sanguineus), die Igelzecke (Ixodes hexagonus) und die Fuchszecke (Ixodes canisuga).
Hundezecken kommen ursprünglich aus tropischen Ländern. In wärmeren Gebieten Deutschlands können sie im Freiland überleben. Sie können sich als „Hauszecken“ in Häusern und Wohnungen einnisten und dort auch die kalte Jahreszeit überleben.
Igel- und Fuchszecken sind ebenfalls Überträger der Borreliose. Sie durchlaufen ihren gesamten Entwicklungszyklus von der Larve über die Nymphe bis zum ausgewachsenen (adulten) Tier in den Nestern bzw. Bauten ihrer Wirte. Vor allem Jagdhunde werden deshalb beim Stöbern in Fuchs- und Dachsbauten oder Igel- und Mardernestern häufig von einer großen Zahl Zecken befallen. Ein betroffener Hund trägt dann so viele Parasiten nach Hause, dass sich diese am Liegeplatz des Hundes vermehren können.
Die Taubenzecke (Argas reflexus) gehört zu den Lederzecken. Sie lebt in den Nestern ihrer Wirtstiere und ist auch in Taubenschlägen zu finden. Sie befällt nur in seltenen Fällen Menschen.
Vorgänge beim Zeckenbiss
Zecken gehören zu den Milben und damit zu den Spinnentieren. Als Parasiten ernähren sie sich vom Blut warmblütiger Lebewesen. Um genügend Blut saugen zu können, müssen sie tagelang auf ihren Wirten verweilen.
Damit das Opfer davon nichts bemerkt, spritzen Zecken nach dem Zubeißen mit ihrem Speichel einen regelrechten Wirkstoffcocktail in die Stichstelle: Er besteht aus einem Gerinnungshemmer, der das Verstopfen der Mundwerkzeuge verhindert, einem Klebstoff zum besseren Verankern auf der Haut, einem Entzündungshemmer, damit die Immunabwehr des Wirtes nicht anspringt, sowie einem Betäubungsmittel, das das Schmerzempfinden an der Bissstelle ausschaltet.
Wo lauern Zecken?
Zecken bevorzugen hohes Gras, Gebüsch oder Unterholz. Neben Waldrändern und -lichtungen leben sie auch in Parks und Gärten. Besonders aktiv sind sie nach sommerlichen Regentagen, da die Kombination aus Feuchtigkeit und Wärme ihnen ideale Lebensbedingungen bietet. Zecken können auch längere Trocken- und Kälteperioden überstehen.
Auf Zweigen oder Grashalmen warten Zecken darauf, dass ein Opfer in Reichweite kommt. Einen geeigneten warmblütigen Wirt erkennen Sie mit dem „Hallerschen Organ“ an ihren Vorderbeinen. Dieses spürt Duftstoffe im Schweiß ihrer Opfer sowie ausgeatmetes Kohlendioxid auf. Bei der geringsten Berührung krallt sich die Zecke an ihrem unfreiwilligen Gastgeber fest und macht sich auf die Suche nach einer geeigneten Bissstelle.
Sommerzeit - Zeckenzeit?
Zecken sind in der Regel von März bis Oktober aktiv. Je nach Wetter kann sich diese Zeit verlängern oder verkürzen. Im Winter stellen sie Ihre Aktivitäten ein.
Trotz des Namens ist das Risiko einer FSME-Infektion nicht auf den Frühsommer beschränkt. Die meisten Erkrankungen erfolgen in den Monaten April bis Juli.
Welche Krankheiten können Zecken übertragen?
Die bekanntesten Krankheiten, die von Zecken übertragen werden, sind die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) und die Lyme-Borreliose. Daneben könne Zecken noch viele andere Krankheiten übertragen. Die meisten sind jedoch sehr selten. Zu Ihnen gehören u.a.:
- Ehrlichiose: Diese bakterielle Erkrankung verursacht Fieber sowie Kopf- und Muskelschmerzen
- Ricksettiose: Das Mittelmeerfleckfieber oder „Zeckenstichfieber“ mit Fieber und Ausschlag tritt vor allem in Mittelmeerländern auf.
- Babesiose: Diese Parasitenkrankheit mit malariaähnlichen Symptomen befällt vor allem Hunde und Katzen. In seltenen Fällen kann sie durch Zeckenbiss auch auf den Menschen übertragen werden und löst bei geschwächtem Immunsystem grippeähnliche Symptome aus.
- Q-Fieber: Das Bakterium Coxiella burneti befällt in erster Linie Haus- und Wildtiere. Sticht eine Zecke jedoch erst ein infiziertes Tier und dann einen Menschen, kann dieser ebenfalls am Q-Fieber erkranken. Ein Infektionsrisiko besteht ebenfalls, wenn man den Kotstaub der Zecke einatmet.
- Zeckenparalyse: Hierbei handelt es sich um eine seltene allergische Reaktion auf die beim Biss von der Zecke abgesonderten Wirkstoffe. Bei einem Zeckenstich in der Nähe der Wirbelsäulen oder am Hinterkopf kann es u.U. zu einem lebensbedrohlichen allergischen Schock kommen.
Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)
Die Frühsommer-Meningoenzephalitis erscheint vielen als größtes Risiko nach einem Zeckenbiss. Allerdings tritt diese schwere und deshalb meldepflichtige Erkrankung nicht überall in Deutschland auf. Vor allem im Süden Deutschlands besteht die Gefahr, dass eine Zecke das FSME-Virus überträgt. Allerdings breitet sich das Virus hierzulande von Jahr zu Jahr stärker aus. 2005 gehören bereits 88 Landkreise in Deutschland zu den »FSME-Risikogebieten. In den europäischen Nachbarländern sieht es unterschiedlich aus: In Mittelosteuropa, Osteuropa, den baltischen Staaten sowie in Österreich, der Schweiz, Schweden und Finnland ist das Virus verbreitet. Dänemark, Großbritannien, Frankreich, Spanien, Portugal, Italien und Griechenland sind dagegen weitgehend FSME-frei.
Zecken können die FSME-Erreger bereits direkt nach dem Stich übertragen. Je länger eine Zecke ungestört bleibt, desto mehr Viren gelangen in den menschlichen Blutkreislauf: Neueren Erkenntnissen zufolge vermehren sich die FSME-Viren in den Speicheldrüsen der Zecke besonders stark, solange diese Blut saugt. Eine FSME-Infektion macht sich ein bis zwei Wochen nach einem Zeckenbiss durch unspezifische Symptome bemerkbar. Abgeschlagenheit, Fieber, Kopfschmerzen und leichte Magen-Darm-Beschwerden führen zuweilen zu einer Verwechslung mit einer Sommergrippe. Die meisten Betroffenen haben die Krankheit damit überstanden. Bei rund zehn Prozent der Erkrankten entwickelt sich allerdings nach etwa acht beschwerdefreien Tagen eine Hirnhaut- und/oder Gehirnentzündung.
FSME-Impfschutz
Gegen FSME existiert eine Schutzimpfung, die drei bis fünf Jahre gegen eine Infektion schützt. Danach ist eine Auffrischimpfung nötig, wenn man sich weiter in Risikogebieten bewegt. Für Kinder zwischen ein und zwölf Jahren steht ein spezieller Impfstoff zur Verfügung.
Borreliose
Weitaus häufiger als an FSME erkranken Zeckenopfer an Lyme-Borreliose. Sie ist die häufigste durch Zecken übertragene Krankheit in Europa. Die auch als „Zecken-Borreliose“ bekannte Erkrankung wird von Borrelia burgdorferi-Bakterien ausgelöst. Der wichtigste Krankheitsüberträger ist in Deutschland die als „Gemeiner Holzbock“ bekannte Zeckenart Ixodes ricinus. Pro Jahr infizieren sich in Deutschland zwischen 50.000 und 100.000 Menschen neu mit dem Erreger.
Anders als FSME-Viren werden Borrelien meist erst übertragen, wenn die Zecke längere Zeit saugt. Allerdings sind vereinzelt auch Infektionen bekannt, obwohl die Zecke bereits kurz nach dem Zubeißen entfernt wurde. Dabei scheint es auf die Art der Zeckenentfernung anzukommen. Prinzipell sollten aufgrund des Borreliose-Risikos festgesogene Zecken möglichst rasch entfernt werden.
Ein sicheres Zeichen für eine Borreliose-Infektion ist eine ringförmig rund um die Stichstelle auftretende Hautrötung (Wanderröte, Erythema migrans). Sie bildet sich allerdings nur in der Häfte aller Fälle aus. Ein Zeckenbiss sollte auf jeden Fall bis zu vier Wochen lang täglich auf eine Wanderröte kontrolliert werden.
Grippeähnliche Beschwerden, Gelenkentzündungen sowie Gelenk- und Muskelschmerzen nach einem Zeckenstich deuten ebenfalls auf eine Borreliose-Infektion hin. Bei Kindern können außerdem Lähmungserscheinungen auftreten.
Kein Borreliose-Impfschutz!
Gegen Borreliose existiert keine Impfung. Da Zecken weit häufiger Borreliose-Erreger tragen als FSME-Viren, ist es um so wichtiger, Zeckenbisse möglichst zu vermeiden.
Nehmen Sie Symptome ernst, die auf eine Borreliose hindeuten, und gehen sie rechtzeitig zum Arzt: Eine zu spät behandelte Borreliose kann Dauerschäden an Herz, Nerven, Gelenken und Haut verursachen.
Auch wenn Sie eine Zecke nicht oder nicht vollständig aus der Haut ziehen können, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.
Schutz vor Zecken
Ähnlich wie vor Mücken und Bremsen kann man sich nicht mit absoluter Sicherheit vor Zecken schützen. Eine Reihe von Vorsichtsmaßnahmen senkt das Risiko eines Zeckenbisses jedoch deutlich. Am einfachsten ist es, sich nicht im hohen Gras oder im Unterholz zu bewegen. Mittel zur Mückenabwehr sorgen durch ihren Duft dafür, dass Zecken sich von Ihnen fernhalten.
Auch wenn es noch so heiß ist: In Zeckenrevieren ist lange Kleidung angesagt. Ideal ist es, die Hosenbeine in die Socken zu stecken, um die Knöchel zu schützen. Auf diese „Rüstung“ sollten Sie sich jedoch nur begrenzt verlassen. Zecken krabbeln auf der Suche nach einer guten Stelle für ihre Mahlzeit lange auf ihrem Opfer herum und können über Ärmel, Knopfleisten oder Kragen die Haut erreichen. Auf heller Kleidung lassen sich Zecken auf dieser Wanderschaft noch leicht entdecken.
Suchen Sie deshalb nach Ihrer Rückkehr Ihren Körper gründlich ab. Zecken lieben es warm und bevorzugen dünne Hautbereiche. Kniekehlen, Achseln, der Schritt und auch die Kopfhaut sind deshalb bevorzugte „Tankstellen“. Wenn Sie Hunde oder Katzen haben, die nach draußen dürfen, sollten Sie sie öfter nach unliebsamen Mitreisenden absuchen: Haustiere können Zecken in die Wohnung schleppen, die dann dort auch menschliche Opfer befallen.
Zecken-Mythen
- Zecken lassen sich von Bäumen auf ihre Opfer fallen
- Falsch - Zecken sitzen im hohen Gras auf den Spitzen der Halme oder im Unterholz, meist auf Kniehöhe, seltener auch bis in Hüfthöhe. Von dort aus klettern sie auf ihre Wirte, sobald diese nahe genug herankommen.
- Festgesaugte Zecken kann man mit Öl oder Klebstoff zum Loslassen bewegen
- Bitte nicht! Diese Methode setzt die Zecke so unter Streß, dass sie Ihren Mageninhalt in die Stichwunde entleert. So können auch Krankheitserreger in den Blutkreislauf ihres Opfers gelangen.
- Festgesaugte Zecken soll man im Uhrzeigersinn herausdrehen, damit der Rüssel nicht abreisst
- Auch das stimmt nicht! Der Rüssel einer Zecke hat weder ein Links- noch ein Rechtsgewinde, sondern nur Widerhaken. Statt zu drehen, sollten Sie die Zecke vorsichtig herausziehen, ohne sie zu stark zu quetschen. Am besten eignet sich dazu eine Pinzette oder eine spezielle Zeckenzange, zur Not tun es auch die Fingernägel.
Zecken entfernen — gewusst wie
Ideal zur Zeckenentfernung ist eine spezielle Zeckenzange bzw. Zeckenpinzette. Achten Sie beim Kauf darauf, dass die Zeckenzange an der Spitze nicht zu breitflächig ist: Eine so geformte Zange quetscht die Zecke beim Herausziehen und veranlasst diese womöglich erst, Krankheitserreger in die Wunde zu erbrechen. Eine spitze, abgewinkelte Pinzette ist im Zweifelsfall die bessere Alternative.
- Packen Sie mit der Zange oder Pinzette die Zecke so weit vorn am Kopf wie möglich. Jetzt nicht mehr loslassen — sonst entleert die Zecke ihren Mageninhalt womöglich doch noch in die Stichwunde.
- Ziehen Sie die Zecke langsam und gleichmäßig heraus. Drehen Sie dabei die Zecke nicht hin und her, ihr Rüssel hat nur Widerhaken und kein Gewinde.
- Töten Sie die Zecke, etwa indem Sie sie mit den Fingernägeln zerquetschen. Sie können die Zecke stattdessen auch in Alkohol einlegen; Vorteil: Im Fall einer Erkrankung lässt sich der Verursacher später bestimmen.
- Desinfizieren Sie die Einstichstelle.
- Notieren Sie sich das Datum des Zeckenbisses und machen Sie nach Möglichkeit ein Foto davon — so kann bei einer Erkrankung der Infektionszeitpunkt bestimmt werden.
Weiterführende Informationen
»Informationen des Robert-Koch-Instituts zu FSME
»Informationen des Robert-Koch-Instituts zu Borreliose
»„Infektionsgefahren in freier Natur — Wie schütze ich mich?“
Broschüre des bayerischen Ministeriums für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz, Download als PDF möglich
»Europäische Zeckeninformation
Website eines Borreliose-Patienten mit umfangreichen Informationen
»Borreliose-Bund Deutschland e.V.
»Lymenet.de
Lyme-Borreliose-Informationen, von Lyme-Kranken und ihren Familien gegründetes Portal
»Zecken.at
Informationen zu Viruskreislauf, Infektionsgefahr und Impfung, zwar bezogen auf die österreichische Schutzimpfung, jedoch sehr umfangreich
»Zecken.de
FSME, Borreliose und weitere Infektionskrankheiten: Informationen des Pharmaunternehmens Baxter Deutschland mit 3D-Zecken-Viewer
»FSME-Risikogebiete in Deutschland (Landkreiskarte)
Service des Pharmaunternehmens Baxter Deutschland, Download der Karte als hochauflösende PDF-Datei möglich
»MedizInfo Wald und Wiese
umfassende Informationen zu Zecken, FSME und Borreliose, etwas unübersichtlich — unterstützt vom Pharmaunternehmen Hexal

